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10:52 19.02.2018
Ein regelmäßiges Sonnenbad ohne Sonnenschutz versorgt uns am besten mit Vitamin-D. Doch gleichzeitig besteht die Gefahr eines Sonnenbrandes.                  FOTOS: HFR/PIXABAY

19.02.2018

Gesundheit & Pflege

Vitamin D ist lebenswichtig für den Körper.Es sorgt für gesunde Knochen und soll daneben noch zahlreiche weitere positive Einflüsse auf das Immunsystem haben. Das gute ist: Der Körper kann Vitamin D selbst herstellen. Dazu muss man täglich nur fünf bis 25 Minuten in die Sonne gehen. Das Sonnenlicht ist die wichtigste Vitamin D-Quelle für den Menschen.

Doch was ist im Winter? Die UV-B-Strahlen, die für die Vitamin D-Produktion notwendig sind, kommen ganzjährig nur in Regionen unterhalb des 35. Breitengrads vor. Deutschland liegt jedoch zwischen dem 47. und 55. Breitengrad. Deshalb ist die Eigensynthese nur von März bis Oktober möglich.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält 30 Nanogramm Vitamin D pro Milliliter Blut für ideal. Bei weniger als 20 Nanogramm beginne der Mangel, so die Experten.

Jedoch: Fast 60 Prozent der Bundesbürger erreichen diese wünschenswerte Blutkonzentration nicht, ergab eine neue Untersuchung im Rahmen der Augsburger Bevölkerungsstudie namens KORA-Age, die seit mehr als 30 Jahren die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg untersucht. Dies hieße, dass ein großer Anteil der Bevölkerung das präventive Potenzial von Vitamin D für die Knochengesundheit nicht ausnutzte. Doch was bedeutet das eigentlich?

Unter Einwirkung des Sonnenlichts wird vor allem in der Haut die Vitamin-D-Vorstufe Cholecalciferol produziert, das auf Umwegen dafür sorgt, das Kalzium und Phosphat in die Knochen eingebaut werden. Fehlt Vitamin D, wird kein Kalzium in die Knochen eingelagert, sondern aus der Knochensubstanz freigesetzt, um den Kalziumspiegel im Blut konstant zu halten. Bei Säuglingen und Kindern kann das Rachitis auslösen und in höherem Alter Osteoporose befördern. Experten schätzen, dass sich durch einen Ausgleich des Vitamin-D-Mangels bundesweit 27 000 Schenkelhalsfrakturen pro Jahr vermeiden ließen.

Neben dieser unbestrittenen Bedeutung des Vitamin D für die Knochen soll das Wundervitamin angeblich auch vor Depressionen, Diabetes,Bluthochdruck, Herzinfarkt, Krebs und Multipler Sklerose schützen. Seit Jahren gilt die Substanz in hoch dosierter Form zudem als Mittel zur Stärkung der Abwehrkräfte. Sie stimuliere angeblich das Immunsystem.

Es gibt Studien, die diese Wirkung andeuten – allerdings halten diese wissenschaftlichen Arbeiten genaueren oder wiederholten Überprüfungen nicht immer stand. So zeigte die neueste Studie, die im November 2017 in der Fachzeitschrift „Clinical Endocrinology“ veröffentlicht wurde, dass eine einjährige hochdosierte Vitamin D-Gabe keinen Effekt auf Muskelkraft, Balance und Lebensqualität bei Frauen mit Osteopenie oder Osteoporose hatte.

Dennoch schwören viele Menschen auf die zusätzliche Einnahme eines Vitamin D-Präparates. Blindlings sollte man dieses Nahrungsergänzungsmittel allerdings nicht einnehmen, denn frei verkäufliche Vitamin-D-Präparate sind oftmals zu hoch dosiert.

Als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr gibt die DGE für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei fehlender körpereigener Bildung 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag an.

Auch wenn die Einnahme von Vitamin D in der Regel nur bei sehr hohen Dosen zu Nebenwirkungen wie Kalziumablagerungen in Herz, Lunge, Nieren und Gefäßen führt, Nierensteine verursachen und Koliken auslösen kann, sollte man zuerst seinen Hausarzt fragen, rät auch das Bundesamt für Risikobewertung (BFR). Dieser kann auch den Vitaminspiegel im Blut überprüfen, ein Test, den man allerdings meist selbst bezahlen muss. In der Schwangerschaft dürfen Vitamin-D-Präparate nur unter regelmäßiger Kontrolle durch den Arzt eingenommen werden, da eine erhöhte Kalziumkonzentration im Blut das Kind im Mutterleib schädigen kann.

Derzeit rät das BFR, nur bei einem nachgewiesenen Mangel und für Risikogruppen zur Einnahme von Vitamin D. Dazu gehören Menschen, die sich nur selten im Freien aufhalten wie chronisch Kranke und Pflegebedürftige. Auch dunkelhäutige Menschen können betroffen sein, da deren Haut die UV-B-Strahlung stärker abschirmt. Zudem nimmt bei allen Menschen die Fähigkeit der Haut, Vitamin D zu bilden, mit steigendem Alter ab. Eine Risikowarnung besteht auch für Personen, die stets nur mit vollständig bedecktem Körper ins Freie gehen sowie für Raucher.

Kinderärzte geben Eltern von Säuglingen standardmäßig Vitamin-D-Tabletten für das Kind mit. Für alle anderen lautet die aktuelle Empfehlung, zwischen März und Oktober mindestens zweibis dreimal pro Woche Gesicht, Hände und Arme unbedeckt der Sonne auszusetzen. Ohne Sonnenschutz, wohlgemerkt. Je nach Hauttyp, Tages- und Jahreszeit sollte das Sonnenbad zwischen 15 und 60 Minuten dauern. Carola Pieper

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.

Godesberger Allee 18
53175 Bonn

www.dge.de

Bundesamt für Risikobewertung

www.bfr.bund.de

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