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Home Sonderthemen Teilzeitausbildung ist für beide Seiten ein Gewinn
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13:58 30.01.2018
Thomas Lehmkuhl fand mit Natascha Mix und Sandra Marx hochmotivierte Lehrlinge.
Bundesagentur für Arbeit
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30.01.2018

Ausbildung & Beruf

Natascha Mix wusste genau, was sie wollte, und ihr Ziel verfolgte sie hartnäckig.

Obwohl die 27-Jährige drei Absagen vom Malerfachbetrieb Klaus Lehmkuhl aus Lübeck erhalten hatte, bewarb sie sich ein viertes Mal dort. „Ich habe zwar schon einige junge Frauen ausgebildet, auch eine junge Mutter, doch Natascha konnte wegen ihrer Tochter nur in Teilzeit eine Ausbildung machen. Ich war skeptisch, wie das im Arbeitsalltag funktionieren sollte“, erzählt Malermeister Thomas Lehmkuhl. Seine Mutter Ingrid Lehmkuhl hat das Engagement der jungen Mutter überzeugt. Nach dem Unfall ihres Mannes stand sie 1977 auch mit zwei kleinen Kindern plötzlich vor der Aufgabe, Betrieb und Familienleben meistern zu müssen. Sie konnte die Situation der alleinerziehenden Mutter gut nachvollziehen und kümmerte sich um die Vertragsmodalitäten.

Inzwischen ist Natascha Mix im dritten Lehrjahr, macht im Herbst ihren Abschluss und kann sich vorstellen, in ein paar Jahren die Meisterfortbildung zu machen. „Natascha konnte von Anfang an sehr selbstständig arbeiten. Sie ist sehr gut organisiert und zuverlässig. Natascha überzeugt auch fachlich. Sie hat das Lackieren schneller gelernt als ihre männlichen Kollegen und macht es hervorragend. Auch beim Kundenkontakt kann sie punkten. Inzwischen haben wir eine weitere junge Frau in eine Teilzeitausbildung übernommen. Wichtig ist, dass die Kinderbetreuung sichergestellt ist und auch ein Plan B bei längeren Betreuungszeiten existiert. Die Teilzeiteinschränkung lässt sich auf der Baustelle dann schon organisieren“, findet Lehmkuhl. Seit September 2017 macht Sandra Marx bei ihm die Ausbildung zur Malerin und Lackiererin. Die zweifache Mutter entdeckte während einer Fortbildung den eher männlich dominierten Beruf und machte ein Langzeitpraktikum bei Lehmkuhl. Unter den 24 Mitschülern sind lediglich zwei weitere junge Frauen dabei, doch sie hat ihre Entscheidung nicht bereut. Die Kreativität und Abwechslung gefallen ihr sehr gut. Durch Kindergarten, Schule, Lebensgefährten und Familie sind ihre Kinder so gut versorgt, dass die 25-Jährige bei eiligen Aufträgen auch mal länger oder am Wochenende arbeiten kann. Beide sind mit Herzblut dabei: „Eine Teilzeitausbildung können wir anderen Müttern und Vätern nur empfehlen!“

Der Arbeitgeber-Service berät Unternehmen gerne über Ausbildungs- und Fördermöglichkeiten: 0800 4 5555 20* 

Mit 35 in die Zukunft gestartet  

Nadine Schulze nutzt ihre Chance und macht eine Ausbildung in der Altenpflege. Sie ist sicher, dass es die richtige Entscheidung war.  
Nadine Schulze nutzt ihre Chance und macht eine Ausbildung in der Altenpflege. Sie ist sicher, dass es die richtige Entscheidung war.  

Schon als 16-Jährige wollte Nadine Schulze eine Ausbildung in der Altenpflege machen. Doch sie war zu jung. So arbeitete sie zunächst in verschiedenen Tätigkeiten als Aushilfe. Da Schulze keinen Ausbildungsabschluss hatte, wurde sie aber häufig arbeitslos. 2008 kam ihre Tochter zur Welt. Mit der Verantwortung wurde der Wunsch nach einer beruflichen Qualifizierung immer größer.

Mit 35 wollte Nadine Schulze zweierlei: Geld verdienen und sich beruflich in der Altenpflege qualifizieren. Deshalb musste zunächst ein Arbeitsplatz her. Schulze entschied sich für die Senioren- und Pflegeheim Sachsenring GmbH in Neumünster und stieß bei der Einrichtungsleiterin Ria Nagel auf offene Ohren. Nach einem kurzen Praktikum wurde Schulze im Juni 2017 dort als Altenpflegehelferin eingestellt. Am 01.10.2017 startete sie dann die berufsbegleitende Weiterbildung zur Altenpflegehelferin. Wenn alles wie erwartet klappt, kann sie sich im Anschluss auch zur examinierten Altenpflegerin qualifizieren.

Neben dieser geförderten Weiterbildung gibt es das Programm „Zukunftsstarter“. Es richtet sich an junge Erwachsene zwischen 25 und etwa 35 Jahren, die keinen Berufsabschluss haben oder diesen nicht mehr am Arbeitsmarkt verwerten können. Sie können im Rahmen einer betrieblichen Einzelumschulung einen Abschluss nachholen. Die Ausbildungsdauer wird dabei auf zwei Drittel der normalen Ausbildungsdauer gekürzt. Ansonsten ist der Ablauf mit der regulären Berufsausbildung vergleichbar: praktische Ausbildung im Betrieb, theoretische Ausbildung in der Berufsschule.

Noch ohne Ausbildungsplatz? Der Anruf bei der Berufsberatung lohnt sich: 0800 4 5555 00*

(*Der Anruf ist für Sie gebührenfrei)

Langzeitpraktikum führt zum Erfolg  

Firmenchef Holger Frank, die Vermittlerinnen Carmen Lindner sowie Susanne Wilke und auch Kollege Felix Martin freuen sich, dass Muhamed seinen Traumberuf gefunden hat.
Firmenchef Holger Frank, die Vermittlerinnen Carmen Lindner sowie Susanne Wilke und auch Kollege Felix Martin freuen sich, dass Muhamed seinen Traumberuf gefunden hat.

Muhamed Al Ahmed fühlt sich an seinem Arbeitslatz ausgesprochen wohl. Der 22-jährige Syrer ist im zweiten Lehrjahr. Sein Ziel heißt: Fachinformatiker bei der bergwerk IT GmbH.

„Ich hatte bei der Bewerbung einen guten Eindruck und das Gefühl, dass ein gemeinsamer Weg für beide Seiten gut ist“, sagt Holger Frank, Geschäftsführer des IT-Unternehmens in Schwerin. Natürlich hatte er auch Zweifel. Wie wird Muhamed mit der deutschen Sprache vorankommen? Entsprechen seine Vorstellungen vom IT-Beruf den hiesigen Erfordernissen? Immerhin hatte sich der in Aleppo geborene junge Mann nach seinem Abitur für einen Informatikstudiengang eingeschrieben. Doch dann gab es Krieg. Muhamed flüchtete nach Bulgarien, kam 2014 nach Deutschland und nutzte jede Gelegenheit, seine Sprachkenntnisse zu verbessern und eine berufliche Orientierung zu finden.

Während eines Langzeitpraktikums – der sogenannten Einstiegsqualifizierung – konnten Arbeitgeber und Nachwuchskraft sich kennen lernen und feststellen, ob es mit der Ausbildung klappt. Und das Ergebnis ist erfreulich: Längst sind die neuen Kollegen für Muhamed auch gute Bekannte, ja teilweise Freunde geworden. Er hat vollen Durchblick beim Programmieren von Webseiten und ist stolz, gemeinsam mit Grafikern und Programmierern sehenswerte Ergebnisse vorzulegen. Sein Chef ist mehr als zufrieden.

Einstiegsqualifizierung (EQ) 

Dauer: 6-12 Monate

Zielgruppe: Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen keine Ausbildung gefunden haben; gefördert werden auch Flüchtlinge und Asylbewerber Leistungen der Arbeitsagentur: Zuschuss an den Arbeitgeber zur EQ-Vergütung bis zu 231 Euro monatlich und Pauschale für Sozialversicherungsabgabe

Teilzeitausbildung als Chance! 

Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord in Kiel  
Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord in Kiel  

Warum ist für Sie das Thema „Teilzeitausbildung“ wichtig?

Es ist generell noch zu wenig bekannt, dass es die Möglichkeit der Teilzeitausbildung gibt, bei der die wöchentliche Ausbildungszeit verkürzt werden kann. So lag der Anteil der Teilzeitausbildungsverträge an allen Ausbildungsverträgen in Schleswig-Holstein bei 0,9 Prozent: 183 von über 19.000. Diese geringe Zahl zeigt: Es wird noch viel zu selten eine Ausbildungsform genutzt, die für alle Beteiligten vorteilhaft sein kann. Speziell für junge Alleinerziehende ohne Berufsabschluss sehe ich in der Teilzeitausbildung die Chance, einen neuen Anlauf zu nehmen und eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Wir wissen alle: Ein Berufsabschluss ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit.

Für wen kommt sie in Frage?

Speziell junge Erwachsene mit Kindern oder mit pflegebedürftigen Familienmitgliedern benötigen häufig ein zeitlich flexibles Angebot, um eine Ausbildung mit ihren familiären Verpflichtungen vereinbaren zu können. Hier ist eine Teilzeitausbildung genau das richtige.

Und was haben die Betriebe davon?

Auch Sie profitieren. Sie können so motivierte Auszubildende gewinnen, deren familiäre Situation bestimmte Kompetenzen besonders fördert: Verantwortungsbewusstsein, Organisationstalent und Zeitmanagement. Darüber hinaus ist der allgemeine Imagegewinn als familienfreundliches Unternehmen nicht zu unterschätzen - ein Pluspunkt, wenn man mit anderen Betrieben um Auszubildende und Fachkräfte konkurriert.

Junge Menschen, die sich für eine Teilzeitausbildung interessieren, sollten sich in der Agentur für Arbeit beziehungsweise im Jobcenter zu den Möglichkeiten beraten lassen. Termine können unter der kostenfreien Hotline 0800 4 5555 00 vereinbart werden.

Informationen zur Teilzeitausbildung finden Betriebe in der Broschüre „Chancen bieten – Teilzeitausbildung ermöglichen“ im Internet unter www.arbeitsagentur.de/unternehmen/ausbilden/informationen-zur-ausbildung. Der Arbeitgeber-Service steht unter der kostenfreien Hotline 0800 4 5555 20 gerne für Fragen zur Verfügung.

www.arbeitsagentur.de/unternehmen/ausbilden/informationen-zur-ausbildung

Für eine Ausbildung ist man nie zu alt  

Ausbilder Stanislaus Schmidt sieht großes Potenzial bei Pancrazio Ariano. 
Ausbilder Stanislaus Schmidt sieht großes Potenzial bei Pancrazio Ariano. 

Im Januar vergangenen Jahres begann Pancrazio Ariano noch als ungelernter Produktionshelfer bei der Walter Förster GmbH in Geesthacht. Seit dem 15.09.2017 ist er Azubi als Zerspanungsmechaniker. Als er nach drei Monaten im Betrieb das Ausbildungsangebot bekam, freute er sich riesig und nahm dieses gerne an. Mit seinen 26 Jahren ist Ariano zwar älter als die meisten seiner Berufsschulkollegen, aber doch nicht der Älteste in der Berufsschulklasse. Ein Mitschüler ist bereits 31 Jahre alt.

Der Italiener fiel im Betrieb schnell wegen seines großen Engagements und seines Geschicks auf. Deshalb bot ihm Iris Wilhelm, kaufmännische Leiterin und Prokuristin bei Förster, auch die Chance zur Ausbildung an. „Für uns zählt nicht das Alter, wenn wir ausbilden, sondern allein die Motivation und Leistungsbereitschaft“, erklärt Wilhelm.

Ariano investiert viel Zeit in seine Ausbildung, lernt abends und besucht dazu einen Volkshochschulkurs, um seine Sprache noch weiter zu verbessern. „Ich bin so glücklich über die Chance, eine Ausbildung machen zu können.“ Ebenso wie seine in Süditalien lebende Familie. Besonders stolz ist sein Vater, der über 20 Jahre als angelernter Schweißer in Deutschland gearbeitet hatte, bevor er kurz nach der Geburt von Pancrazio nach Italien zurückgekehrt war.

Junge Erwachsene ohne Berufsabschluss, die ebenfalls ihre Chance nutzen möchten, sollten mit ihrem Betreuer in der Arbeitsagentur oder im Jobcenter sprechen.

Wichtige Internet-Adressen 

Die folgenden Internet-Adressen bieten vielfältige Informationen rund um Ausbildung, Studium, Weiterbildung und Beruf: 

www.arbeitsagentur.de/schule-ausbildung-studium www.arbeitsagentur.de/weiterbildung-karriere www.planet-beruf.dewww.regional.planet-beruf.de www.abi.de www.regional.abi.de www.dasbringtmichweiter.de www.ausbildung-plus.dewww.studienwahl.de www.das-neue-bafög.de

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