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10:56 19.02.2018
Stundenlanges Sitzen auf dem Töpfen ist für die Kinder eine Qual. Wenn das Kind ständig unter Verstopfung leidet, sollte ein spezialisierter Kinderarzt aufgesucht werden.                     FOTO: SAKLAKOVA/FOTOLIA
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19.02.2018

Gesundheit & Pflege

Das große Geschäft funktioniert nur unter Schmerzen und wird zur quälenden Prozedur: Fünf Prozent aller Kinder zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr leiden an chronischer Verstopfung, der sogenannten Obstipation.

Nach Ansicht der Gesellschaft für Pädiatrie, Gastroenterologie und Ernährung ein häufiges Problem, das dennoch zu oft unterschätzt wird. Dabei ist es seit Jahren ein Dauerbrenner in Facharztpraxen. Eltern gehen zu spät zum Spezialisten und setzen aus Unkenntnis nur auf mehr Bewegung und trinken. „Nur eine frühzeitige Behandlung ist erfolgreich und verhindert eine Chronifizierung im Erwachsenenalter mit einer Einschränkung der Lebensqualität“, informieren Dr. Stephan Buderus, Chefarzt Pädiatrie am Marien-Hospital in Bonn und Dr. Axel Enninger, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Kinder-, Jugend- und Frauenmedizin am Klinikum Stuttgart.

Die Symptome der chronischen Verstopfung


Dazu gehört, dass das Kind mehrmals in der Woche unter Schmerzen lange auf dem Töpfchen oder der Toilette sitzt und selten bis gar nicht den Darm entleeren kann. Diese Prozedur geht einher mit Bauchweh und Blähungen. Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit sind weitere Anzeichen, auf die Eltern achten sollten. Wenn das Kind nur unter Schmerzen auf Toilette gehen kann, versucht es natürlich dies zu vermeiden. Es hält bewusst zurück, hält sich den After mit der Hand zu oder tippelt angespannt hin und her.

Beruhigend ist: Bei rund 95 Prozent der kleinen Patienten liegt keine organische Erkrankung vor. Gründe für einen harten Stuhlgang gibt es viele, denn eine überstandene Magen-Darm-Infektion kann dafür ebenso Auslöser sein wie Stress-Situationen im Alltag des Kindes. Das mag zum Beispiel der Verlust einer vertrauten Umgebung sein, Druck in der Schule, die Trennung der Eltern, der Tod eines geliebten Menschen bis hin zu Ereignissen, die das Kind im wahrsten Sinne des Wortes schlecht verdaut. Auch eine genetische Prädisposition kann als Ursache vorliegen.

Der erste Schritt für einen regelmäßigen Stuhlgang:Einegesunde Ernährung und viel Bewegung. FOTO: JENKOATAMAN/ FOTOLIA
Der erste Schritt für einen regelmäßigen Stuhlgang:Einegesunde Ernährung und viel Bewegung. FOTO: JENKOATAMAN/ FOTOLIA

Eine Verstopfung ist für jedes Kind ein quälender Prozess. Die Eltern sind verunsichert und wissen oft nicht, was ihrem Kind fehlt. So erhöhen sie aus Unwissenheit die Trinkmenge oder setzen auf mehr Bewegung. Doch das allein reicht nicht. Deshalb sollte man bereits bei den ersten Anzeichen von Bauchschmerzen, Krämpfen und vor allem Problemen mit dem großen Geschäft rasch einen Spezialisten für Magen-Darm-Erkrankungen aufsuchen. Er klärt auf und sichert eine effektive Behandlung, auf die es ankommt.

Einschränkung der Lebensqualität

Abwarten kann im schlimmsten Fall zu einer Chronifizierung bis ins Erwachsenenalter führen. Das bedeutet für die Betroffenen eine massive Einschränkung der Lebensqualität mit Schwierigkeiten bei sozialen und intimen Kontakten. Das ist ein Teufelskreis, der nur durch eine frühzeitige Behandlung durchbrochen werden kann. Eltern brauchen die Unterstützung durch einen Facharzt, weil sie sich berechtigterweise Sorgen um den Nachwuchs machen und tagtäglich mitbekommen, wie sehr ihr Kind unter der Situation leidet. Dieser „Toilettenstress“ für Kind und Eltern sollte unbedingt vermieden werden.

Am Anfang einer ärztlichen Untersuchung steht das vorsichtige Abtasten des Afters. Auf diese Weise kann der Mediziner organische Ursachen ausschließen. Das Kind bekommt im Anschluss Medikamente, die für eine vollständige Entleerung des Darmes sorgen. Für ein Kind, das oftmals wochenlang unter Verstopfung litt, ist das eine große Erleichterung. Endlich tut der Stuhlgang nicht mehr weh. Die Medikamentengabe muss jedoch gerade bei chronischer Verstopfung über mehrere Wochen erfolgen. Abführmittel mit dem Wirkstoff Macrogol sorgen dafür, dass sich der Stuhl vermehrt mit Wasser mischt, weich bleibt und deshalb leichter ausgeschieden werden kann.

Therapie mit Geduld und dem richtigen Training


In vielen Fällen kann auch ein „Stuhltraining“ sinnvoll sein. Die Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung empfiehlt Eltern, ihr Kind dafür regelmäßig nach jeder Mahlzeit auf Töpfchen oder Toilette zu setzen. Dieses Training in einer ruhigen Umgebung muss konsequent durchgeführt werden, denn es ist eine Art Brücke zurück in die Normalität. Wichtig ist auch eine Belohnung für das Kind bei erfolgreichem Geschäft – selbstverständlich nicht mit Keksen oder Schokolade. Ein „Stuhltraining“ kann manchmal mehrere Monate notwendig sein, bis die Verdauung wieder normal funktioniert. Eltern müssen dabei viel Geduld haben. Denn bei Stress kann es erneut Probleme mit der Verdauung geben.

Verstopfende Lebensmittel meiden

Bei der Verdauung spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Für einen fitten Darm werden sehr häufig Ballaststoffe wie Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte empfohlen. „Doch unsere Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die Wirksamkeit von Ballaststoffen häufig überschätzt wird. Außerdem werden sie oft von Kindern nicht akzeptiert. Wir empfehlen eine normale Mischkost und ausreichende körperliche Bewegung“, sagen Buderus und Enninger. Zudem sollten Eltern kritisch überprüfen, wie viele verstopfende Lebensmittel wie Banane, Kakao, Schokolade, Kekse oder Fast-Food im Ernährungsplan stehen.

Bei früh begonnener Obstipation gehört der Ausschluss einer Kuhmilchallergie dazu. Nicole Sieverling

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