Volltextsuche über das Angebot:

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Home
Anzeige

Gesundheit & Pflege Ferien von der Pflege

Für pflegende Angehörige gibt es Entlastungsmodelle und sogar spezielle Urlaubsangebote

Menschen, die Angehörige pflegen, übernehmen damit eine verantwortungsvolle Aufgabe. Da braucht es ab und zu mal eine Pause zur Erholung.                      FOTO: LUCKYBUSINESS/ FOTOLIA

Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt, kann nicht ohne weiteres in die Ferien fahren. Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland werden laut Statistischem Bundesamt zu Hause betreut, das sind 73 Prozent aller Pflegebedürftigen. „Für die Angehörigen bedeutet dies einen enormen zeitlichen und körperlichen Aufwand. Deshalb ist es umso wichtiger, auch mal aus dem häuslichen Umfeld rauszukommen und abschalten zu können“, sagt Martin Hänel, Serviceteam der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Lübeck. Doch viele betreuende Angehörige wissen nicht, wie sie Pflegeaufgaben und Erholungsbedürfnisse miteinander vereinbaren sollen.

Grundsätzlich gilt: Nur wer gut für sich selbst sorgt, hat langfristig die Kraft, auch für andere gut zu sorgen. Pflegende Angehörige sollten daher ganz offen vermitteln, dass sie die Auszeit zur Regeneration benötigen, um neue Kraft zu tanken und so die Pflege anschließend weiter leisten zu können.

Für Pflegende und pflegebedürftige Angehörige, die ihren Urlaub gemeinsam verbringen möchten, stehen zunehmend spezialisierte Urlaubsangebote zur Verfügung. Bei der Suche nach einem passenden Angebot können gemeinnützige Reiseberater helfen. Denn einige Pensionen, Ferienanlagen und Pflegehotels sind auf diese Art der „Pflegeferien“ spezialisiert. Die Pflege kann dann am Urlaubsort entweder vollständig oder teilweise abgegeben werden. „So können Pflegende Freizeitaktivitäten genießen und gleichzeitig im Blick haben, wie es ihrem Angehörigen geht. Es bietet sich Freiraum und trotzdem können schön Erlebnisse geteilt werden“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP).

Manche Angebote sind zudem auf die besonderen Bedürfnisse von demenzkranken Menschen zugeschnitten. Pflegeberatungsstellen und Betroffenenverbände informieren, wie sich ein passender Urlaub realisieren lässt und welche Kosten von der Pflegeversicherung übernommen werden.

Ist ein gemeinsamer Urlaub nicht möglich, stellt sich oftmals die Frage, wer die Pflege in der Ferienzeit übernimmt. Zum einen besteht der Anspruch auf die sogenannte Verhinderungspflege, bei der jemand anderes – ein Nachbar, ein Freund oder der ambulante Pflegedienst – die Aufgaben übernimmt. Dafür sieht die Pflegekasse bis zu 1612 Euro für sechs Wochen pro Kalenderjahr vor. Voraussetzung: Der Pflegebedürftige hat einen der Pflegegrade 2 bis 5 erreicht. Zudem muss der Pflegebedürftige zuvor mindestens sechs Monate daheim gepflegt worden sein.

"Es ist wichtig, auch mal herauszukommen und abschalten zu können."

Martin Hänel
Serviceteam der KKH in Lübeck
Oftmals springen Kinder, Schwiegerkinder oder Enkel ein, die mit im Haushalt des Pflegebedürftigen wohnen. Dann richtet sich die Leistung nach der Höhe des Pflegegeldes. Die Personen können teilweise auch anfallende Kosten geltend machen. Dazu zählen etwa Fahrtkosten oder Verdienstausfall. Entsprechende Belege sollten gesammelt und die Kostenübernahme bei der gesetzlichen Pflegekasse oder der privaten Pflegeversicherung beantragt werden. „Vorteil dieser Variante ist, dass die zu pflegende Person in ihrer gewohnten Umgebung bleiben kann. Dadurch ist auch die Akzeptanz bei den Pflegebedürftigen häufig höher“, erklärt Hänel.

Die Verhinderungspflege kann sogar stundenweise in Anspruch genommen werden. Besonders bei der Betreuung von Menschen mit Demenz kann es hilfreich sein, wenn Angehörige einmal beruhigt das Haus verlassen wollen. „Wichtig ist auf jeden Fall, den Pflegebedürftigen möglichst weitgehend in alle Entscheidungen, die ihn betreffen, einzubeziehen. Was sind dessen Wünsche und Bedürfnisse in Bezug auf die Pflegevertretung? Welche Sorgen gibt es, welche Ängste?“, so Suhr.

Alternativ zur Verhinderungspflege besteht die Möglichkeit, den Pflegebedürftigen in einer geeigneten Einrichtung mit Kurzzeitpflege-Angebot unterzubringen. Allerdings ist das Angebot regional unterschiedlich gut ausgeprägt. Wird der Antrag auf Kurzzeitpflege von der Pflegekasse bewilligt, werden ebenfalls Kosten bis zu 1612 Euro für maximal acht Wochen im Jahr übernommen. Anspruch auf eine Kurzzeitpflege haben alle Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2.

Das Pflegegeld wird während der Kurzzeitpflege bis zu acht Wochen lang zu 50 Prozent weiterbezahlt. Allerdings: Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, die während der Kurzzeitpflege in der Einrichtung entstehen, muss der Pflegebedürftige selbst tragen.

Bei der Kurzzeitpflege im Heim sei im Vorfeld meist viel Überzeugungsarbeit zu leisten, so Hänel. „Viele Pflegebedürftige haben Vorbehalte gegenüber den stationären Einrichtungen und hegen die Befürchtung, abgeschoben zu werden.“ Dass so ein zeitlich befristeter Aufenthalt aber auch Freude und Erholung bringen kann, stellen viele fest,wenn sie eine angenehme Zeit im Heim verbracht haben. „Bingo-Nachmittage, Gespräche beim Kaffeetrinken oder Spaziergänge auf dem Heimgelände – je nach körperlicher Einschränkung haben auch die Pflegebedürftigen die Möglichkeit, einmal Abwechslung zu finden“, sagt Hänel.

Personen im Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Kurzzeitpflege. Es besteht die Möglichkeit, entsprechende Kosten von dem sogenannten Entlastungsbetrag von monatlich bis zu 125 Euro teilweise zu finanzieren. kkh,zqp, jnp
zurück zur Übersicht Gut betreut

Tipps & Tricks, Rezepte und kulinarischer Genuss: Alles rundum das Thema Essen & Trinken finden Sie hier. mehr