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Gesundheit & Pflege „Anti-Aging“ für die Altersstimme

Hohe Stimmlage, heiser, gepresst: Männer und Frauen können schon ab dem 50. Lebensjahr betroffen sein

Typische Symptome einer Altersstimme sind das plötzliche Umschlagen in eine Fistel-Tonlage oder zunehmende Heiserkeit. FOTO: KONSTANTIN POSTUMITENKO/ FOTOLIA

Das Alter bringt viele Veränderungen. Selbst die Stimme unterliegt dem biologischen Alterungsprozess. In jungen Jahren kraftvoll und klar, verliert sie im Alter oft ihre Klanqualität. Typisch ist die meist auffällige hohe Stimmlage. Die Stimme klingt gepresst, krächzend. Oftmals räuspert sich der Betroffene, weil er den Eindruck hat, dass eine Verschleimung Ursache für die brüchige Altersstimme ist. Die Stimmveränderungen sind individuell und stark variierend. Bei dem einen treten die Veränderungen schon etwa ab dem 50. Lebensjahr auf, andere erfreuen sich noch im hohen Alter einer kraftvollen Stimme ohne Beeinträchtigungen.

Eine ambulante stimmchirurgische Behandlung kann bei Betroffenen den Leidensdruck mindern und wieder für eine kräftigere Stimme sorgen, sagt Prof. Dr. Markus Hess, Phoniater und Gründer der Deutschen Stimmklinik in Hamburg.

Unter der Altersstimme leiden mehr Männer als Frauen. Typisches Symptom für Männer ist der sogenannte „Greisendiskant“, das plötzliche Umschlagen der Stimme in die Fistellage. Auch die zunehmende Heiserkeit und die „hauchige“ Stimme machen das Sprechen unangenehm und schwer. Damit wächst der Leidensdruck und der Eindruck, von Freunden, Familie und Arbeitskollegen nicht mehr verstanden zu werden. „Betroffene ziehen sich oft zunehmend zurück und gehen in die soziale Isolation. Es liegt eine sozialkommunikative Beeinträchtigung vor, die ähnlich wie Altersschwerhörigkeit von Krankenkassen als medizinische Indikation eingestuft wird“, erklärt der Hamburger Mediziner.

Im Laufe der Jahre verändern sich die nur zehn Millimeter langen Stimmlippen im Kehlkopf. Sie verlieren an Spannung, Elastizität und Masse. Durch diese Volumenminderung wird die Stimmlippe dünner. Experten sprechen dann von einer Stimmlippenatrophie. Die Rückbildung des gesamten Stimmlippenkörpers sorgt dafür, dass sich die Stimmlippen dauerhaft nicht mehr treffen und eine Öffnung entsteht – heraus kommt dann ein leiser, heiserer Stimmklang. Der häufigste Kompensationsversuch ist das Sprechen in einer höheren Stimmlage, die nicht nur vom Betroffenen selbst als unangenehm empfunden wird.

Eine Stimmlippenatrophie ist vom behandelnden Arzt sofort zu hören, da die Symptome meist sehr eindeutig sind. Eine sichere Erstdiagnose liefert die Kehlkopfspiegelung. Dabei schaut der Arzt mit einer HD-Kamera in den Rachen des Patienten – wie beim Zahnarzt, nur ein wenig weiter hinten. Die hochauflösende Kamera liefert deutliche Bilder von den volumenreduzierten, sehr dünnen Stimmlippen auf beiden Seiten, die sich nicht mehr schließen. „Diese Ausschlussdiagnostik gibt dem Patienten auch Sicherheit bei der bangen Frage, ob ein Tumor, eine Zyste oder eine Entzündung Ursache für sein verändertes Klangbild sein könnten“, sagt Hess. Die Diagnose dauert nur wenige Minuten und ist schmerzfrei.
"Eine stimmchirurgische Behandlung gibt den Stimmlippen ihr Volumen zurück. Die Stimme klingt wieder jünger und klarer."

Prof. Dr. Markus Hess
Phoniater
Bei einer leichten Form der Stimmlippenatrophie ist eine stimmtherapeutische Behandlung empfehlenswert, um die Stimmbandmuskulatur aufzubauen. Das Verfahren ist jedoch meist langwierig und die resultierende Stimmqualität für Betroffene nicht immer befriedigend.

„Die Unterfütterung der dünnen Stimmlippen mit Eigenfett oder Hyaluronsäure gehört zur bewährten stimmchirurgischen Behandlung. Auf die Weise erhalten die Stimmlippen ihr Volumen zurück und die Stimme klingt wieder jünger und klarer“, sagt der Phoniater. Dem Patienten wird in Vollnarkose entweder Eigenfett aus dem Bauch oder künstliches Material in der Menge einer Bohne in beide Stimmlippen injiziert. Das Material wird anschließend mit einem Spezialinstrument symmetrisch auf beide Stimmlippen verteilt und modelliert. Während das körpereigene Fettgewebe in den Stimmlippen verbleibt, baut sich die Hyaluronsäure nach etwa einem Jahr ab.

Der Eingriff dauert etwa eine Stunde. „Der Patient kann danach sofort sprechen und muss keine Stimmruhe einhalten, aber durch die Überkorrektur ist der Stimmklang noch nicht perfekt. Die unmittelbare Stimmverbesserung ist jedoch beeindruckend. Die deutliche Verbesserung der Stimme ist nach Abheilung nach etwa drei Wochen hörbar. Für viele Patienten mit jahrelangem Leidensdruck eine unglaublich emotionale Erleichterung“, schildert Hess seine Erfahrungen.

 Die ambulante Operation wird auf Basis einer medizinischen Indikation vorgenommen und gilt nicht als ästhetischkosmetischer Eingriff. Vielmehr werten Kassen eine Stimmlippenatrophie als Krankheit – ähnlich wie Altersschwerhörigkeit, deren Behandlungskosten bei gegebener Indikation regelhaft von den Krankenkassen getragen werden. Nicola Sieverling
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